Wieso wir fechten

Die Frage nach dem Sinn und der Notwendigkeit des Fechtens für das Corps und die Corpsbrüder ist die wohl am häufigsten von Außenstehenden an uns gestellte, kennt man es ja meist nur vom Hörensagen oder aus höchst fragwürdigen Darstellungen im Fernsehen. Eine universelle Antwort auf diese Frage ist wohl nicht zu geben. Fest steht aber, dass mehrere tausend Menschen auf der ganzen Welt hinter dem Prinzip des studentischen Fechtens stehen, weil jeder einzelne für sich einen Sinn darin sieht – sonst hätte man es schon lange aufgegeben.

 

Zum Beispiel hat es eine gewisse Filterfunktion, denn man kann davon ausgehen, dass jedem Corpsbruder der auf unsere Farben gefochten hat wirklich etwas an unserem Corps und seiner Zugehörigkeit dazu gelegen ist. Wer nicht bereit ist, dieses Risiko für uns einzugehen wird womöglich auch in anderen Situationen einen Rückzieher machen. Man ist darauf angewiesen, mit seinen Corpsbrüdern zusammenzuarbeiten, sowohl auf dem Pauk- als auch auf dem Mensurboden. Zum anderen hatte es sicher nicht nur in Einzelfällen charakterfestigende Wirkung, sich in einer Ausnahmesituation wie der scharfen Mensur bewährt zu haben. Davon abgesehen besteht durch das Fechten ein gegenseitiger Respekt sowohl seinen eigenen Corpsbrüdern als auch Mitgliedern anderer schlagender Verbindungen gegenüber, was sich durch meist gehobene Umgangsformen äußert.

 

Wir verlangen von jedem Donaren, während seiner Studienzeit drei genügende Partien gefochten zu haben. Wir schlagen unsere Pflichtpartien meist mit den Münchener Corps auf MSC-Comment – mit seinen eigenen Corpsbrüdern wird entgegen der landläufigen Meinung natürlich nicht scharf gefochten. Der Paukant soll das, was er auf dem Paukboden gelernt und gezeigt hat auch auf dem Mensurboden umsetzen können; der Mensurconvent, also alle bei der Partie anwesenden dreifarbigen Corpsbrüder bewerten ihn nach Moral, Haltung und Technik und entscheiden ob die Partie „gezogen“ hat. Ist dies nicht der Fall, so muss der Paukant diese Partie wiederholen.

 

Es ist entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben keineswegs das Ziel des Paukanten, selbst einen Schmiss zu kassieren – das wäre viel zu einfach. Ob und auf welcher Seite ein Treffer fällt hat für die Bewertung der Partie absolut keine Bedeutung. Die Bestimmungsmensur hat keinerlei feindseligen Charakter, beide Paukanten müssen ihre Partien „abdecken“ und wissen genau worauf sie sich einlassen. In den meisten Fällen entwickelt sich gerade zwischen Leuten die miteinander gefochten haben eine auf gegenseitigem Respekt beruhende Freundschaft.